Perimenopause – ein erster Hinweis kann so einfach sein

Sylwia Wejchert Portrait

In meiner Praxis begegnen mir jeden Tag Frauen, die merken, dass sich etwas verändert. Der Zyklus wird unregelmäßiger, der Schlaf leichter, und man gerät innerlich schneller aus dem Gleichgewicht. Fast alle stellen mir früher oder später dieselbe Frage: „Woran erkenne ich früh, ob ich in der Perimenopause bin?“

Eine einfache Antwort hat die Medizin darauf nicht. Für den ersten Schritt schätze ich aber zunehmend FSH-Schnelltests für zu Hause.

Die Tests messen das follikelstimulierende Hormon, kurz FSH, im Urin. Das geht schnell und ohne Blutabnahme, und man braucht keinen Termin. So kann man sich in Ruhe selbst ein erstes Bild machen, und darin sehe ich ihren größten Vorteil.

FSH gehört zu den ersten Hormonen, die auf die beginnende Umstellung reagieren. Lässt die Rückmeldung aus dem Eierstock nach, steigt der Wert an, manchmal in Schüben und oft früher, als viele denken. Ein Schnelltest kann diesen Anstieg sichtbar machen.

Was ich daran sinnvoll finde

Niedrigschwelliger Einstieg
Viele Frauen zögern, gleich zum Arzt zu gehen. Mit dem Test machen sie den ersten Schritt selbst.

Schnelle Orientierung
Nach wenigen Minuten hat man eine erste Einschätzung, ob der FSH-Wert bereits erhöht ist.

Wiederholbarkeit
Man kann den Test in Abständen wiederholen und so verfolgen, wie sich der Wert über die Zeit verändert. Ein einzelner Laborwert zeigt dagegen nur einen Moment.

Stärkung des Körpergefühls
Viele Frauen erkennen dabei Zusammenhänge zwischen ihrem Zyklus, ihren Beschwerden und den Hormonen.

Motivation zur weiteren Abklärung
Ein auffälliges Ergebnis ist oft der Anstoß, sich genauer mit den eigenen Hormonen zu beschäftigen und sich dann ärztlich begleiten zu lassen.

Natürlich ersetzt so ein Test keine umfassende Diagnostik, das soll er auch nicht. Er macht sichtbar, was viele Frauen ohnehin schon spüren, und gibt ihnen einen ersten Hinweis darauf, dass die Veränderungen real sind und zu einem körperlichen Prozess gehören. Sie bilden sich nichts ein, und es ist auch nicht einfach nur Stress. Das allein entlastet viele schon sehr.

Aus ärztlicher Sicht sind FSH-Schnelltests für mich weder ein Spielzeug noch ein Ersatz für die Medizin. Sie sind ein sinnvoller Baustein, um den eigenen Körper besser wahrzunehmen, und eine einfache Möglichkeit, früh hinzuschauen, ohne großen Aufwand und ohne die Sorge, man könnte überreagieren. Die Perimenopause beginnt schließlich nicht erst dann, wenn sie eindeutig im Labor steht.

Manchmal beginnt das Verständnis dafür mit etwas ganz Einfachem: einem Test zu Hause und dem Gefühl, den eigenen Körper ein Stück besser zu verstehen.

Von Sylwia Wejchert
Fachärztin für Frauenheilkunde

Porträt von Sylwia Wejchert, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Über die Autorin

Sylwia Wejchert ist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Sie hat Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg studiert und ihre Weiterbildung an der Universitätsfrauenklinik Heidelberg und am Lehrkrankenhaus Salem absolviert. Ihr Schwerpunkt ist die Urogynäkologie, insbesondere Beschwerden nach Geburten und in den Wechseljahren. In Mannheim führt sie ihre eigene Praxis, Cleos Medical.

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